
Welcher Cocktail in welches Glas?
Warum das richtige Glas mehr aus deinem Drink herausholt?
Wer zuhause mixt, konzentriert sich meist auf Rezepte, Zutaten und Ice Cubes. Das Glas ist oft nur „Gefäss“. In der Praxis entscheidet es aber mit darüber, wie ein Cocktail riecht, schmeckt und wirkt.
Die gute Nachricht: Du brauchst dafür kein komplettes Bar-Arsenal. Mit ein paar wenigen Glastypen kannst du einen grossen Teil der Klassiker – und moderne Drinks – sauber servieren.
Arbeitszeit
10 min
Gesamtzeit
20 min
Niveau
Leicht
Fragen? Peter Jauch beantwortet sie dir!
Gläser erfüllen dabei drei Funktionen:
1
Aromen: Breitere Kelche lassen mehr Duft an die Nase, schlanke Formen bündeln oder verlängern Perlage.
2
Temperatur & Verdünnung: Viel Eis braucht Volumen, Shortdrinks ohne Eis funktionieren besser in kleineren Schalen.
3
Inszenierung: Ein Martini im Wasserglas schmeckt zwar ähnlich, aber er wirkt komplett anders.
Im Folgenden schauen wir uns sechs zentrale Glastypen an – und welche Cocktails sie wirklich sinnvoll ausspielen.
Zubereitung von Welcher Cocktail in welches Glas?
Martini-Glas – Bühne für Shortdrinks
Das ikonische Martini-Glas steht wie kaum ein anderes für klassische Barkultur. Es ist die Bühne für Shortdrinks ohne Eis im Glas, die vorher gerührt oder geschüttelt werden und dann klar, kompakt ins Glas kommen.
Ein Dry Martini zeigt, wofür dieses Glas geschaffen wurde: ein präziser, eher kräftiger Drink, der kühl, aber nicht eiskalt sein soll und bei dem die Nase nah an der Oberfläche ist.
Auch der Espresso Martini, bei euch in einem stylischen Martini-Glas aus der Nude-Serie serviert, profitiert von der Form: Die Crema legt sich wie ein Spiegel auf die breite Oberfläche, der Drink wirkt modern und fokussiert.
Typische Eigenschaften:
Kelchförmig, nach oben geöffnet
Kein Eis im Glas
Fokus auf Textur, Duft und Optik
Drinks im Martini-Glas:
Dry Martini
Espresso Martini (Nude Serie)
Vesper Martini
Gibson
Cosmopolitan
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Tumbler / Old Fashioned – kräftig, kompakt, auf Eis
Der Tumbler – oft auch Old Fashioned Glas genannt – ist der robuste Klassiker in jeder Bar. Er ist gemacht für kräftige, kürzere Drinks auf Eis, bei denen ein grosser Eiswürfel oder ein voller Glasboden den Drink lange kalt hält, ohne ihn zu stark zu verwässern.
Der Negroni ist dafür das Paradebeispiel: Drei klare Komponenten, intensiv im Geschmack, serviert auf Eis, mit einem grossen Eiswürfel, der die Verdünnung kontrollierbar macht.
Typische Eigenschaften:
Niedrig, mit dickem Boden
Ideal für einen grossen Eiswürfel oder mehrere Würfel
Perfekt für Shortdrinks „on the rocks“
Drinks im Tumbler:
Negroni
Old Fashioned
Boulevardier
Whiskey Sour „on the rocks“
Americano
Rum Old Fashioned
Longdrink- / Highball-Glas – viel Eis, viel Filler
Das Longdrink- bzw. Highball-Glas ist das Arbeitstier der Homebar. Immer dann, wenn ein Drink viel Eis, einen Filler und Zeit im Glas hat, spielt dieses Format seine Stärken aus.
Euer Drink im Glas: eine Paloma auf Mezcal-Basis – perfekt im Highball, weil Mezcal, Grapefruit, Limette und Soda Platz brauchen, um zu wirken, und gleichzeitig auf viel Eis ruhen sollen. So bleibt der Drink lange kalt, ohne in Minuten zu verwässern.
Typische Eigenschaften:
Hoch, eher schlank
Hohe Eis- und Filler-Kapazität
Ideal für erfrischende, leichtere Drinks
Drinks im Longdrink- / Highball-Glas:
Paloma mit Mezcal
Gin & Tonic
Moscow Mule (im Glas statt im Kupferbecher)
Cuba Libre
Dark ’n’ Stormy
Tom Collins
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Flûte – wenn Schaumwein die Hauptrolle spielt
Die Flûte ist schlank, hoch und ganz klar auf Schaumwein und perlige Cocktails ausgerichtet. Sie hält die Perlage länger lebendig und inszeniert Schaumwein visuell – gerade bei Aperitifs oder festlichen Anlässen.
Ein French 75 in der Flûte verbindet genau das: Gin, Zitrone, Zucker und Schaumwein. Die Eleganz liegt im schlanken Glas, das den Blick nach oben lenkt und die Kohlensäure bündelt.
Typische Eigenschaften:
Schlanke, hohe Form
Konzentrierte Perlage
Ideal für Champagner- und Schaumwein-Cocktails
Drinks in der Flûte:
French 75
Kir Royal
Bellini
Mimosa
Champagne Cocktail
Spritz Royale (Champagner + Aperitif + Soda)


Nick & Nora – elegante, kompakte Cocktailschale
Das Nick & Nora Glas ist die elegante Schwester der klassischen Coupette – etwas kleiner, leicht bauchig, nach oben hin schmaler. Es eignet sich für Shortdrinks ohne Eis im Glas, die eine feine Balance aus Aroma, Alkohol und Textur haben.
Spannend bei euch: der Pisco Sour im Nick & Nora. Viele Bars servieren ihn in einer Coupette; im Nick & Nora wirkt der Drink kompakter und etwas fokussierter, der Schaum liegt wie ein Deckel knapp unter dem Glasrand.
Typische Eigenschaften:
Kleiner Kelch, leicht bauchig
Für Shortdrinks ohne Eis
Wirkt klassisch, aber weniger „theatralisch“ als ein grosses Coupette-Glas
Drinks im Nick & Nora-Glas:
Pisco Sour
Daiquiri
Clover Club
Manhattan
Martinez
Sidecar
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Weissweinglas – der Allrounder
Das Weissweinglas ist in vielen Homebars das unterschätzte Multitalent. Mit seiner bauchigen Form bietet es genügend Fläche für Aromen, gleichzeitig genug Volumen für Eis und Filler. Perfekt für Spritz-Drinks, Tonic-Varianten und aromatische Aperitifs.
Euer Beispiel: Wermut Tonic im Weissweinglas. Der Wermut bekommt Raum zum Atmen, die Kräuteraromen steigen in die Nase, das Tonic bringt Frische und leichte Bitternote – und optisch wirkt der Drink wie ein moderner, leichter Aperitif.
Typische Eigenschaften:
Bauchig, nach oben leicht enger
Platz für Eis, Garnish und Filler
Ideal, wenn Aromatik und Optik gleichermassen wichtig sind
Drinks im Weissweinglas:
Wermut Tonic
Aperitif-Spritz (z.B. Bitter-Spritz)
Hugo
Lillet Vive (Aperitif + Tonic)
Gin & Tonic im Weinglas
Glaslogik statt Glasdogma
Das „richtige“ Glas ist kein Dogma, sondern ein Werkzeug: Es unterstützt, was der Cocktail ohnehin erzählen will: Textur, Temperatur, Aroma und Anlass.
Shortdrinks ohne Eis im Glas wirken im Martini- oder Nick & Nora-Glas präziser und eleganter.
Kräftige Drinks auf Eis sind im Tumbler zu Hause.
Erfrischende Longdrinks mit viel Eis und Filler gehören ins Highball-Glas.
Schaumwein-Cocktails strahlen in der Flûte.
Und wenn es vielseitig und unkompliziert sein soll, ist das Weissweinglas der Joker.
Wer diese Logik versteht, muss sich nicht jede Kombination merken. Er oder sie greift intuitiv zum passenden Glas – und macht aus einem guten Drink einen stimmigen Moment im Glas.








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Spirituosen Sommelier Peter Jauch beantwortet sie.
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